BFSG-Checkliste für Websites: Schritt für Schritt zur Konformität

Diese Checkliste führt dich durch die wichtigsten Punkte, die deine Website für das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) erfüllen muss. Sie ist nach den vier Prinzipien der WCAG geordnet – dem technischen Standard, auf den das BFSG verweist – und endet mit der gesetzlichen Pflichtangabe.

Ein ehrlicher Hinweis vorab: Diese Liste ist eine strukturierte Arbeitsgrundlage, kein Freifahrtschein. Alle Haken zu setzen bedeutet nicht automatisch „rechtssicher konform”. Ein Teil der Punkte lässt sich nur manuell prüfen – mit Tastatur und Screenreader –, und die Norm EN 301 549 geht an einigen Stellen über die WCAG hinaus. Sieh die Checkliste also als verlässlichen roten Faden, nicht als Garantie.

Wofür diese Checkliste gilt

Sie richtet sich an Betreiber von Websites und Online-Shops, die als private Anbieter unter das BFSG fallen. Maßstab ist WCAG 2.1, Konformitätsstufe AA – die rechtlich verbindliche Stufe über die harmonisierte Norm EN 301 549. Was die Stufen im Einzelnen bedeuten, erklärt WCAG-Konformitätsstufen A, AA und AAA

Vor dem Start: Betrifft mich das BFSG überhaupt?

Bevor du Punkte abarbeitest, kläre die Grundfrage. Grob gilt: Wenn du Verbrauchern eine digitale Dienstleistung anbietest (Online-Shop, Buchung, interaktive Formulare) und kein bei Dienstleistungen ausgenommenes Kleinstunternehmen bist, bist du voraussichtlich betroffen. Die vollständige Prüfung mit allen Grenzfällen findest du unter Wer ist vom BFSG betroffen?

Teil 1: Wahrnehmbarkeit

  • Alle informativen Bilder haben sinnvolle Alternativtexte; rein dekorative Bilder sind als solche ausgezeichnet (leeres alt-Attribut).
  • Farbkontraste erfüllen die Mindestwerte: 4,5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text und grafische Bedienelemente.
  • Keine Information wird ausschließlich über Farbe vermittelt (z. B. „Pflichtfeld rot markiert” zusätzlich beschriften).
  • Videos haben Untertitel, reine Audioinhalte ein Transkript.
  • Die Überschriftenstruktur ist logisch und hierarchisch (genau eine H1, sinnvoll verschachtelte H2/H3).
  • Die Seite bleibt nutzbar, wenn Text auf 200 % vergrößert wird, ohne dass Inhalt verloren geht.

Teil 2: Bedienbarkeit

  • Alles ist allein per Tastatur erreichbar und bedienbar – Links, Schaltflächen, Formulare, Menüs, Slider.
  • Der Tastaturfokus ist jederzeit deutlich sichtbar.
  • Die Fokusreihenfolge ist logisch und folgt dem visuellen Aufbau.
  • Es gibt keine „Tastaturfallen” – man kommt aus jedem Element per Tastatur wieder heraus.
  • Ein Sprunglink („zum Inhalt springen”) überspringt wiederkehrende Navigation.
  • Keine blitzenden oder schnell blinkenden Inhalte (Anfallsrisiko).
  • Klick- und Tippziele sind ausreichend groß und nicht zu eng beieinander.

Teil 3: Verständlichkeit und Robustheit

Verständlichkeit:

  • Die Sprache der Seite ist im Code ausgezeichnet (lang-Attribut), fremdsprachige Passagen ebenfalls.
  • Formularfelder haben klare, verknüpfte Beschriftungen (Labels).
  • Fehlermeldungen benennen das Problem konkret und sagen, wie es zu beheben ist.
  • Navigation und wiederkehrende Elemente sind über alle Seiten konsistent.

Robustheit:

  • Die Seite nutzt semantisches HTML (z. B. echte Buttons statt klickbarer divs).
  • Interaktive Komponenten haben zugängliche Namen und Rollen; ARIA wird nur dort und korrekt eingesetzt, wo nötig.
  • Die Seite wurde mit mindestens einem Screenreader getestet (z. B. NVDA oder VoiceOver).

Teil 4: Pflichtangaben

  • Die Barrierefreiheitsinformationen nach § 14 in Verbindung mit Anlage 3 BFSG sind veröffentlicht und leicht auffindbar.
  • Sie werden nicht mit der öffentlich-rechtlichen „Barrierefreiheitserklärung” (§ 7 BITV) verwechselt – diese ist im BFSG-Kontext nicht das richtige Format.

Was genau in die Pflichtangabe gehört und wie du sie erstellst, zeigt Barrierefreiheitsinformationen nach BFSG erstellen

Status prüfen statt nur abhaken

Diese Liste hilft dir, die offensichtlichen Lücken zu finden. Aber – und hier schließt sich der Kreis zum Hinweis am Anfang – eine abgehakte Checkliste ist kein Konformitätsnachweis. Automatisierte Werkzeuge können einen Teil der Punkte schnell prüfen (grob ein Drittel der Kriterien), der Rest verlangt manuelle Prüfung: Tastaturtest, Screenreader, ein Blick auf die Verständlichkeit. Wie das zusammenspielt, beschreibt Barrierefreiheit testen

Der ehrliche Weg ist ein Kreislauf statt einer einmaligen Liste: prüfen, im Quellcode beheben, erneut prüfen – bis der nachweisbare Wert steigt. Welcomas kommender WCAG-Scanner ist genau dafür gebaut: Er zeigt dir die echten Quellcode-Probleme, statt sie zu überdecken, damit aus „abgehakt” ein belegbares „behoben” wird.

Den rechtlichen Gesamtüberblick gibt der BFSG-Leitfaden

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Reicht diese Checkliste für die BFSG-Konformität?

Sie deckt die wichtigsten Punkte strukturiert ab, ist aber keine Garantie. Ein Teil der Anforderungen lässt sich nur manuell prüfen, und EN 301 549 geht an Stellen über die WCAG hinaus.

Brauche ich für jeden Punkt einen Entwickler?

Nein. Vieles – etwa Alternativtexte oder verständliche Fehlermeldungen – ist redaktionell lösbar. Strukturelle Punkte wie Tastaturbedienung oder Semantik brauchen meist technische Umsetzung.

Welche WCAG-Stufe liegt der Checkliste zugrunde?

Stufe AA nach WCAG 2.1 – die für das BFSG über EN 301 549 maßgebliche Stufe.

Scanner-Vormerkung

Vom Abhaken zum Beleg.

Trag dich für den ehrlichen WCAG-Scan ein. Sobald der Scanner live ist, prüfen wir deine Website und zeigen dir, welche Punkte wirklich behoben sind – mit Verweis auf die betroffene Code-Stelle.

Sichere dir deinen kostenlosen WCAG-Scan.

Wir stellen deine Website automatisch in die Scan-Warteschlange. Nach unserer manuellen Prüfung schicken wir dir den Bericht. Deine Daten nutzen wir nur dafür – mehr in der Datenschutzerklärung.