Einfache vs. Leichte Sprache: Unterschiede und wann was nötig ist
„Brauche ich Leichte Sprache oder Einfache Sprache auf meiner Website?” – diese Frage wird oft falsch beantwortet, weil die beiden Begriffe verwechselt werden und weil eine Regel aus dem öffentlichen Sektor irrtümlich auf private Unternehmen übertragen wird. Dieser Artikel klärt den Unterschied, was tatsächlich verlangt ist und für wen, und wann sich einfachere Sprache trotzdem lohnt.
Leichte Sprache und Einfache Sprache – nicht dasselbe
Die beiden Begriffe meinen Unterschiedliches:
Leichte Sprache ist eine stark geregelte, vereinfachte Sprachform mit einem festen Regelwerk: sehr kurze Sätze, nur eine Aussage pro Satz, keine Nebensätze, das Erklären schwieriger Wörter, häufig unterstützt durch Bilder und große Schrift. Sie wurde vor allem für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten entwickelt.
Einfache Sprache ist eine flexiblere Vereinfachung: klare Standardsprache mit kürzeren Sätzen und gebräuchlichem Wortschatz, aber ohne das strenge Regelwerk. Sie richtet sich an ein breites Publikum – Menschen mit geringerer Lesekompetenz, Nicht-Muttersprachler oder schlicht eilige Leser.
Beide werden oft verwechselt, dienen aber verschiedenen Zwecken und folgen einem unterschiedlichen Grad an Strenge.
Wann Leichte Sprache vorgeschrieben ist
Leichte Sprache ist eine Pflicht im öffentlichen Sektor. Öffentliche Stellen müssen über die BITV bestimmte Inhalte in Leichter Sprache bereitstellen – etwa grundlegende Informationen zum Inhalt, zur Navigation und zur Erklärung der Barrierefreiheit –, teils ergänzt um Deutsche Gebärdensprache.
Genau hier liegt eine häufige Quelle der Verwirrung: Diese Pflicht stammt aus dem öffentlich-rechtlichen Regelwerk und wird fälschlich so verstanden, als gälte sie für alle.
Was das BFSG für die Privatwirtschaft verlangt
Der entscheidende Punkt: Für private Unternehmen verlangt das BFSG weder Leichte noch Einfache Sprache. Das BFSG verweist auf EN 301 549 und die WCAG, und diese fordern zwar „verständliche” Inhalte – das ist aber nicht dasselbe wie eine Pflicht zu Leichter oder Einfacher Sprache. Das WCAG-Kriterium, das ausdrücklich das Leseniveau betrifft, liegt auf Stufe AAA und ist damit nicht gefordert. Den rechtlichen Rahmen gibt der BFSG-Leitfaden
Ein privates Unternehmen hat also keine BFSG-Pflicht, Leichte oder Einfache Sprache anzubieten. Wer etwas anderes behauptet – besonders als etwas, das man kaufen müsse, um „konform” zu sein –, stellt die Rechtslage falsch dar.
Warum Einfache Sprache trotzdem sinnvoll sein kann
Dass etwas nicht vorgeschrieben ist, heißt nicht, dass es nichts bringt – im Gegenteil. Klarere, einfachere Sprache erreicht mehr Menschen: solche mit geringerer Lesekompetenz, Nicht-Muttersprachler, Menschen unter kognitiver Belastung und alle, die unterwegs schnell etwas nachlesen. Das verbessert in der Regel das Verständnis und damit auch den Erfolg deiner Seite.
Die ehrliche Einordnung lautet deshalb: Einfache Sprache ist ein Mehrwert und eine Wahl – eine Möglichkeit, mehr Besuchern besser zu dienen –, kein Compliance-Häkchen.
Wie du verständlicher schreibst
Ein paar Grundsätze gelten als „verständliche” Inhalte und sind ohnehin gutes Schreiben: kurze Sätze, gebräuchliche Wörter, aktive Formulierungen, ein Gedanke pro Absatz, eine klare Gliederung mit Überschriften und das Erklären unvermeidlicher Fachbegriffe. Das verbessert deine Inhalte für alle – ganz ohne sich auf das vollständige Regelwerk der Leichten Sprache festzulegen.
Häufige Fragen
Brauche ich Leichte Sprache auf meiner Firmen-Website?
Nein. Leichte Sprache ist eine Pflicht im öffentlichen Sektor. Für private Anbieter verlangt das BFSG sie nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache?
Leichte Sprache folgt einem strengen Regelwerk und richtet sich vor allem an Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Einfache Sprache ist flexibler, eine klare Standardsprache für ein breites Publikum.
Lohnt sich Einfache Sprache, obwohl sie nicht Pflicht ist?
Oft ja. Sie erreicht mehr Menschen und verbessert Verständlichkeit und Erfolg der Seite. Sie ist ein Mehrwert, den du wählen kannst – keine Pflicht.